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Dienstag, 17. September 2013

ADAC - Fahrsicherheitstraining in Grevenbroich

Ehe mein schönes Blog zum Sushi-Blog verkommt, könnte ich noch von dieser Begebenheit erzählen:

Wir schreiben den 31 Juli 2013, ein Tag, an dem es brüllend heiß werden wird, aber das kann unsere Protagonistin noch nicht wissen ... also sie weiß es schon, denn sie hat die letzten Tage die Wetter-App in ihrem Handy mehrfach befragt, aber sie hat noch nicht umrissen, was es bedeutet. Im Moment freut sich sich nur darüber, dass der Tag trocken bleiben soll ... haha ... wenn sie wüsste, wie trocken SIE bleiben würde ... 

Morgens wache ich auf und mir ist unglaublich schlecht. Eigentlich wie immer, wenn ich den Kreis Viersen motorisiert verlassen soll. Normalerweise ist es eine leichte Übelkeit, die aber, sobald der Motor des entsprechenden Gefährts läuft, verflogen ist. Dieses Mal ist mir aber so schlecht, dass ich befürchte ... naja ... lassen wir das.

Rückblick: Im Zuge meiner Reiseplanungen beschließe ich, erst einmal ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Ich hatte überlegt, eine geführte Tour mitzumachen und setzte mich mit einem Betreiber in Kontakt. Nach einen netten Gespräch über diverse Ziele in Italien, riet er mir zu diesem Schritt und so kam ich an das Fahrsicherheitszentrum in Grevenbroich, das größte und modernste seiner Art in NRW. Eine Mitarbeiterin des ADAC, die ich kontaktierte, empfahl mir den Intensivkurs, der einen ganzen Tag dauerte und alles beinhaltete, was man so üben kann und ich buchte den Kurs. Hätte ich allerdings die AGB's mal früher gelesen, wäre mir einiges an Stress erspart geblieben und ich hätte nicht gebucht. Auch noch verbindlich! Volle Montur ist Pflicht und ich hatte keine Motorradhose. Ich hatte keine und hatte auch noch nie eine besessen. Also, eine Motorradhose musste her ... und zwar zügig. Gut, Motobay schaffte dann schnell Abhilfe und so war diese Hürde noch rechtzeitig genommen.

Wie gesagt, ich wache am Morgen des 31.Juli auf und mir ist schlecht. Ob wir allerdings von "aufwachen" sprechen können sei dahin gestellt, denn ich hatte die ganze Nacht vor lauter Aufregung so gut wie kein Auge zugetan. Nachdem ich ausgiebig gejammert und den Tag verflucht habe, an dem ich diese Schnapsidee hatte, ziehe ich meine Montur an, packe ausreichend Proviant und Getränkeflaschen in das Handschuhfach von Nancy und fahre los. Weil der Weg über die von mir üblicherweise gewählten Landstraßen viel zu weit und zeitraubend ist, fahre ich bei leichtem Nieselregen bei Nettetal auf die A 61 zunächst in südliche Richtung ... ohne Navi ... was mir später zum Verhängnis werden sollte ... 

Gegen viertel nach acht treffe ich beim FSZ - Grevenbroich ein. Der Kurs beginnt um halb neun, ich bin die Zweite und nach und nach trudelt der Rest der zehnköpfigen Truppe ein. Die Motorräder werden in Reih und Glied abgestellt und es beginnt der theoretische Teil des Unterrichts. In loser Reihenfolge stellen sich die einzelnen Teilnehmer - unter anderem ein Radioreporter von Lokalfunk NRW, der eine Sendung zum Thema vorbereitet - auch unter Angabe des Führerschein-Erwerbsdatums vor. Als ich "1981" in den Raum nuschele, geht ein Raunen durch den Saal, aber ich hatte auch schon vorher gewusst, dass ich die Alterspräsidentin bin. Die meisten Anwesenden haben den Motorradführerschein erst seit einigen Wochen oder Monaten und wollten das Handling ihres Motorrades vertiefen. Nachdem alles geklärt und die Sicherheitsregeln erläutert sind, geht es auf die Piste, allerdings nicht ohne vorher die Reifen und deren Alter kontrolliert zu haben. Denn, so erklärt der Trainer, der Zustand und die Beschaffenheit des Reifens ist von immenser Bedeutung für die Fahrsicherheit, denn sie stellen den Kontakt zwischen Mensch un Straße her. Die Temperaturen sind zu diesem Zeitpunkt noch moderat ...

Nachdem wir in Kolonne zu unserer Basis gefahren sind, geht es erst einmal ein paar Runden um den Platz, der auch eine Kurve, ähnlich einem Kreisverkehr, der durch Bepflanzung nicht einsehbar ist, beinhaltet. Das Ding hat es echt in sich ... 

Nun werden alle zum Treffpunkt gerufen und stellen sich auf. Es werden einige Dinge erläutert und man soll üben, das Motorrad mit zwei Fingern zu halten, während man daneben steht, um dann einmal drum herum zu laufen. Ohne loszulassen, wohlgemerkt. Ufff, Nancy wiegt mit vollen Bauch ungefähr 213 Kilo und ich kann sie eigentlich kaum mit zwei Händen halten, aber so, wie der Trainer es erklärt, ist tatsächlich wenig Gewicht zu spüren und die Übung klappt ... einigermaßen. 

Weiter geht es mit Schrittgeschwindigkeit, Ausweichmanövern, Slalom fahren und immer wieder ist das Thema: Blickführung. Gegen halb eins ist dann erst einmal Schluss, die Mittagspause steht an und die letzte Übung ist echt schlauchig. Der Trainer fährt Runde um Runde vor und wir müssen hinterher fahren. Und er fährt nicht langsam. Ich bin fertig. Ich würde am liebsten heulen und will nur noch nach Hause ... und es ist mittlerweile so heiß ... ich dampfe ...

Nach der Mittagspause, die ich nicht mit den anderen beim Essen verbracht habe, sondern dösenderweise im Kursraum, ergebe ich mich in mein Schicksal und es geht weiter. Jetzt sind Gefahrenbremsungen bei Trockenheit und bei Nässe zu meistern. Hierzu flutet der Trainer den Platz mittels einer Sprinkleranlage, die in der Fahrbahn eingelassen ist und es ist echt erfrischend, da durch zu fahren. Später geht es in die "Berge" der Anlage und es werden stundenlang Kurven bergauf und bergab, links rum und rechts rum, geübt. Wie man die Kurven anzuschneiden hat und immer wieder ist das zentrale Thema die Blickführung. Es wird geübt, was zu tun ist, wenn die Kurve ausgeht und der Graben immer näher kommt, es werden die verschiedenen Sitzposition geübt, in denen man eine Kurve nehmen kann: sitzend, liegend oder "hängend". Nur Knieschlefen brauchen wir nicht, können es aber ausprobieren. Doch keiner nimmt dieses Angebot an, was aber eher an fehlenden Knieschleifer-Pads an den Hosen liegt. 

Gegen 17 Uhr ist auch dieser Teil des Trainings, welches ich nicht ganz so anstrengend fand, wie den ersten Turn, beendet und ich bin klitschenass geschwitzt. Als ich eine großen Schluck Wasser aus meiner Flasche nehme, schießt es mir direktemang wieder aus den Poren und ich sehe aus, wie frisch geduscht und nicht abgetrocknet. Meine Kleidung ist durchtränkt und ich hinterlasse beim setzen/stellen/legen Pfützen. Zum Abschluss treffen sich noch einmal alle im Gruppenraum, um ein Résumé des zurückliegenden Tages zu ziehen. Jeder soll beschreiben, wie er den Tag empfunden, was er gelernt hat und wie zufrieden er war. Ich bin allerdings so fertig, dass ich mich nur noch meinen Vorrednern anschließe, die aber alles in allem doch das gleiche sagen, was ich auch gesagt hätte. Zum Schluss wird noch ein Nachfolgekurs empfohlen, ich glaube, ich sollte Kurventraining 1 belegen, falls ich noch mal kommen möchte.

Tja, und nun der Rückweg. Wie immer habe ich den nämlich nicht so gründlich auswendig gelernt, wie den Hinweg und so gurke ich ziemlich planlos durch die Gegend. Ich verpasse Autobahnauffahrten, Abzweigungen ... aber gut, hier war ich vorher ja auch noch nie und in meinen drei Semestern Geografie kam der Rhein-Kreis-Neuss nicht vor. Da sollten wir uns eher um den Rheinknick kümmern, der aber ganz woanders ist, wenn ich mich recht erinnere.

Wie dem auch sei, ich fahre mal hier lang und mal da, immer in der Hoffnung, irgendeinen Hinweis zu finden, an dem ich mich orientieren kann, als plötzlich das magische Wort "Jackerath" auf einem Schild zu lesen ist. Freudestrahlend halte ich darauf zu. Hier kenne ich mich aus, hier kenne ich jemanden: "SUDDA! Ich komme, ich ruh mich bei dir aus und falls es zu spät wird, übernachte ich bei dir!" .... Als ich kurz vor Titz bin, also da, wo die Autobahnauffahrt nach Venlo, also MEINE Autobahnauffahrt ist, fällt mir ein, dass Ferien sind und Sudda in Schweden weilt. Ok, aber hier kenne ich mich trotzdem aus und so bin in null Komma nichts zu Hause.

Meine Güte, welch ein Tag!


Kommentare:

  1. Ok, ich bin schon fix und fertig nur allein von Deiner Schilderung des Trainingstages...

    Aber den Balanceakt, das Motorrad mit zwei Fingern zu halten, während man daneben steht, um dann einmal drum herum zu laufen, musst Du mir mal näher erklären ;-)

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    1. Das war eigentlich ganz einfach. Man muss das Motorrad in die Waage bringen, sozusagen, und dann kann man es tatsächloch ganz leicht mit Daumen und Zeigefinger am Schwingungsdämpfer (das Gewicht an den Griffen) halten. Und dann muss man sich ganz lang machen (also ich) um mit festhalten hinten rum zu kommen. Also man hält einfach fest und latscht rum. Geht wohl auch vorne rum.

      Aber es stand jemand auf der anderen Seite, falls das Motorrad doch umfallen sollte :)

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    2. Ok, beim Roller funktioniert das easy, bei der Harley... ich werd's mal ausprobieren, wenn ich einen zum Auffangen dabei habe ;-)

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    3. Hast du mit dem Roller schon probiert? Mit der Harley geht es genauso gut :)

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  2. Ai weh - wenn ich das alles lese, bin ich in meiner Unwissenheit doch irgendwie glücklich. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn ich Ellie hätte fallen lassen ... Außerdem kann ich das nicht, wenn andere zugucken ... Vielleicht sollten wir nur mal zu Dritt oder Viert so ein Training machen: Du, Sonja, Svenja und ich ... und ein Trainer mit Stahlseilnerven, das ist Bedingung ...
    Respekt an Dich, so ein Training gemacht zu haben!

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    1. Das hätte ich auch noch gut gefunden, wenn einem gezeigt worden wäre, wie man das Motorrad ganz leicht wieder aufstellt :)

      Wir haben übrigens auch noch das sichere Abstellen erklärt bekommen. Immer den 1. Gang einlegen, dann kann nichts passieren ... also außer, wenn man im Matsch parkt :)

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    2. Ja, das mit dem ersten Gang einlegen ... ich erinnere mich an meine Anfängerzeit, direkt nach dem Führerschein. Ich will das Mopped starten, nix passiert. Hektisch alles gecheckt, nix. Panikanruf bei meinem Schrauber ... und er: "Kann es sein, dass Du den Gang drin hast?" ... Schweißausbruch der Peinlichkeit - klar, bin einen Tag zuvor beim Putzen an den Hebel gekommen, der 1. Gang war drin.
      Werd ich nie wieder vergessen ;-).

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  3. Uiuiui...erster Gang beim parken einlegen? Das kann böse enden. Bei meiner alten Dame würde der Anlasser das gute Stück nach vorne schnalzen. Auch wenn sie dann gar nicht starten sollte, kann es passieren...

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    1. Misto, näää!? Aber irgedwas ist ja immer :-)

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