Seiten

Sonntag, 17. Mai 2015

Hobbit's Home

Immer mal wieder komme ich auf meiner Rheinland-Runde an dieser Immobilie in Hottorf vorbei und jedes Mal frage ich mich, was es wohl damit auf sich hat. Aber irgendwie habe ich immer verpasst, anzuhalten und ein Foto zu machen. Diesmal aber war Svenja dabei und die Tür offen. Also die Gelegenheit, sich in Sicherheit zu wiegen eben anzuhalten und die Trophäe einzusammeln, sozusagen. Zunächst wollte ich am gegenüberliegenden Haus klingeln und fragen, aber Svenjas geschulter Blick erfasste sofort, dass niemand zu Hause ist und so ermunterte sie mich freundlich ("Boah, du bist so ein Baby), einfach mal durch den Spalt in's Innere zu schauen, was ich auch irgendwann ("Baby, Baby, Baby!") recht zögerlich tat. Ok, nichts zu sehen, außer einem Gemäuer ... Auf die Idee übrigens, dass man einfach mal die Tür aufstoßen und ein paar Schritte in das Gewölbe hinein gehen könnte, bin ich erst Tage später gekommen, ich Baby, ich.

Montag, 11. Mai 2015

Abschied in Belgien

Als Svenja ihren Kopf aus dem Zelt streckt, geben die Wolken noch einmal ihr Bestes und schütten kübelweise Wasser über uns aus. Svenja eilt zum Waschhaus und ich ziehe meine Regenkombi über, weil wir uns gleich im Wintergarten treffen wollen, um die Regenfront abzuwarten. Aber allzulange brauchen wir nicht auszuharren, denn zwischen den Wolken blitzen schon einige blaue Stellen hindurch und tatsächlich, ein paar Minuten später lässt der Regen so weit nach, sodass wir unser Lager abbrechen können. Allerdings klingeln wir erst noch Birgit, die zweite der beiden Platzbetreiberinnen aus dem Bett, die uns leicht grummeld darauf hin weist, dass es noch keine acht Uhr ist und die Anmeldung eigentlich noch geschlossen ist. Aber sie ist schnell wieder besänftigt und wir unterhalten uns noch ein Weilchen. U. a. auch darüber, dass wir leider keine Uhr dabei haben und die Handies ausgeschaltet sind. Sorry nochmal, ihr Beiden.

Während Svenja ihr Zelt ordentlich abtrocknet und sorgfältig im dafür vorgesehenen Sack verstaut, rupfe ich kurzerhand die Zeltnägel aus dem Boden und lasse alles in sich zusammen fallen. Danach stopfe ich das nasse Teil einfach so, wie es ist, in den Beutel. Zum Glück ist Svenja so beschäfftigt, dass sie das nicht sieht. Also ich hoffe mal, dass sie so beschäftigt ist, dass sie das nicht gesehen hat.

Wie dem auch sei, wir beladen die Bikes, machen schnell noch ein paar Aufbruchsfotos und verabschieden uns kurz, aber herzlich von einander. Ab jetzt zieht jede ihrer eigenen Wege. Ich nehme diesmal den direkten Weg über Aachen nach Hause, ohne noch einmal die sog. Himmelsleiter zu erklimmen. Eine recht unspektakuläre Route, aber in Aachen ist die B 57 für ungefähr 3 Meter 80 gesperrt und so komme ich in den Genuss einer ungeplanten Stadtrundfahrt, die mich auch an der Kirche, in der meine älteste Nichte getauft wurde, vorbei führt. Allerdings habe ich gerade keine Muse für ein sakrales Foto und so lasse ich die Kirche links liegen und folge genau so brav, wie ich am Vortag Svenja gefolgt bin, den Umleitungsschildern. 

Seit Belgien sind die Straßen unglaublich nass, aber die Schleusen sind zum Glück geschlossen und so fahre ich eingeklemmt zwischen Regen und Sturmfront vor mich hin und komme nach guten zwei Stunden trockenen Fußes zu Hause an. Ich stelle Nancy vor der Tür ab, lasse Gepäck Gepäck sein und werfe mich auf's Sofa, wo ich für die nächsten zwei Stunden in einen komatösen Schlaf falle. Ok, ich habe mir vorher noch die Schuhe und die Jacke ausgezogen.

Tja, was soll ich sagen, das war eine schöne "Reise. Svenja ist eine wirklich tolle Biker-Buddy_line. Die beste, die ich mir vorstellen kann. Immer rücksichtsvoll und niemals langweilig. Hoffentlich machen wir das mal wieder. Aber machen wir, oder!?

Freitag, 8. Mai 2015

Camping Wesertal

Ich glaube, dass in dieser Region Belgiens französisch gesprochen wird und bringe Svenja gerade bei, dass "salut salaud" (=> salüh saloh) zwar hübsch klingt, aber nicht "Halli Hallo" bedeutet und "une putain" kein halbes Hähnchen ist, als eine Frau auf uns zu kommt. Sie stellt sich als Claudia vor und ist eine der beiden Platzbetreiberinnen. Wir checken ein und dann zeigt sie uns den kleinen, aber feinen Platz, der ganz nach meinem Geschmack ist. Man kann sein Zelt sowohl auf einer der Wiesen, als auch im angrenzenden Wäldchen am Ufer der Weser aufschlagen, aber wir entscheiden uns für ein kleines Areal nahe des Waschhauses.

Schnell (Svenja) und weniger schnell (Funny) sind die Zelte aufgebaut, was mir ehrlich gesagt den Rest gibt. Ich bin völlig erledigt und es ist echt warm. Meine Klamotten sind klatschenass geschwitzt und sobald meine Ankleide steht, ziehe ich mich um. Svenja schlägt vor, über den Platz zu schlendern und dabei ein paar Fotos zu schießen, was wir auch machen. Es ist wirklich schön hier. Die Weser - die nicht unsere Weser ist - plätschert lustig in ihrem Bett, aber ansonsten ist alles ruhig. Ein paar Meter weiter schlägt eine fünfköpfige Familie ihr Lager auf, aber auch davon bekommt man nicht viel mit. Mir erscheint alles irgendwie so surreal, so fernab vom normalen Leben. Aber ist es ja auch.

Später baut Svenja die Küche auf und brät unter Pieps' und Özlems wachsamen Augen das mitgebrachte Entrecote, während auch ich auf meine Ernährung achte und nur ein Brot esse. Ich möchte nichts von dem angebotenen Fleisch, denn Gebratenes vertrage ich nicht so gut und jetzt kann ich Unbekömmlichkeiten so gar nicht gebrauchen. Langsam lassen wir den Abend ausklingen, gehen noch zur Spülküche um das Geschirr zu reinigen und kurz darauf verziehen wir uns schon in unsere Zelte. Das war ein wirklich schöner, entspannter Abend - unglaublich chillig.

In der Nacht regnet es und auch ein kräftiger Wind weht. Anfänglich bin ich etwas beunruhigt, ob meine halb eingeschlagenen Zeltnägel halten, aber irgendwann ist mir das auch egal und ich falle in einen unruhigen Schlaf. Manchmal bin ich so k. o., dass ich vor lauter Müdigkeit nicht schlafen kann und so bin ich um 6 Uhr morgens schon wieder gestiefelt und gespornt. Meine Sachen sind gepackt und ich marschiere zum Waschhaus. Als ich fertig bin, schläft Svenja immer noch - aber gut, es ist mal gerade viertel nach 6 - und so lege ich mich noch ein Weilchen in mein Zelt, auf das immer noch der Regen trommelt und döse vor mich hin ...

Donnerstag, 7. Mai 2015

An die Hand genommen - Belgien

Eigentlich ist sie ja ein Garant für Regen, aber das Wetter ist herrlich an diesem Morgen - nicht zu warm, nicht zu kalt, die Straße ist noch ein bisschen feucht, aber alles in allem es sieht gut aus. Svenja steckt meine Regenkombi in meine Gepäckrolle und zutzelt diese noch einmal richtig zu. Sie rät mir, nicht zu viel anzuziehen und so habe ich nur lange Unterwäsche und ein T-Shirt unter meiner Motorradkluft. Dass das schon zu viel ist, werde ich aber erst später erfahren.


Schnell sind die Motorräder aus der Garage geholt, beladen und das Gepäck gut verzurrt. Svenja spendiert Greenies Kette nach der gestrigen Regenfahrt noch ein wenig Fett und dann geht es auch schon los in Richtung Belgien. Wir wollen eine Nacht auf dem Campingplatz Wesertal in Eupen verbringen und dort gemeinsam zelten. Für mich eine gute Gelegenheit, Motorradwandern zu begreifen, sozusagen. Ich werde am nächsten Tag wieder nach Hause fahren und Svenja weiter ihrer Route nach Frankreich folgen.

Zunächst schlagen wir den üblichen Weg in's Rheinland ein. Wir wollen die unglaubliche Sudda besuchen, deren Domizil mehr oder weniger am Wegesrand liegt und die sich mehr als freut, uns zu sehen. Aber gut, wir freuen uns auch und verbringen gute 2 Stunden in ihrer gemütlichen Küche. Weil ich nachts schlecht geschalfen hatte und seit ungefähr 3 Uhr auf war, bin ich ziemlich müde und will eigentlich wieder nach Hause und in mein Bett. Aber ich entscheide mich am Ende dann doch anders ... 

Es geht durch die Eifel. Bergauf, bergab, mal links rum und mal rechts rum - eine anspruchsvolle Strecke - bis wir schließlich in Roetgen ankommen. Dieser Ort, der direkt an der belgischen Grenze liegt, war prädestiniert für ausgiebigen Schmuggel und es gibt dort die legendären Schmugglerpfade, auf denen man durch's Hohe Venn wandern kann. Aber: wandern bedeutet laufen, also nichts für uns. Uns führt eine mehr oder weniger befestigte Straße - die Vennstraße - durch ein idylisches Wäldchen direkt in das hübsche Städtchen Eupen, wo wir nach ein paar Minuten unser Ziel, den Campingplatz Wesertal erreichen ...